Erdbestattung - Die traditionelle Bestattungsart aller Weltreligionen

Eine Erdbestattung ist in Deutschland die einzige Bestattungsform, bei der die verstorbene Person nicht zunächst eingeäschert werden muss.

Kurzfassung

  • Traditionell
    Nicht nur im Christentum, sondern auch im Judentum und im Islam wird die Erdbestattung seit Jahrtausenden praktiziert.
  • Natürlichste Art der Bestattung
    Im Gegensatz zur Feuerbestattung ist der Zwischenschritt der Verbrennung in einem modernen Krematorium nicht nötig.
  • Friedhofspflicht
    Särge dürfen in Deutschland nur auf Friedhöfen beigesetzt werden. Damit unterstützt man Ruheorte für Menschen und Tiere.

Vorwort

Eine Erdbestattung ist die Beisetzung einer verstorbenen Person in einem Sarg. Auf den meisten Friedhöfen bleibt das Grab für mindestens 20 Jahre unberührt. In dieser Zeit gehen Sarg und verstorbene Person in den Kreislauf der Natur ein.

In Deutschland wird in einer Tiefe von 2m über dem Sargdeckel beigesetzt. In dieser Tiefe leben, entgegen der weit verbreiteten Annahme, keine Würmer mehr. Diese leben in der obersten Erdschicht von etwa 30cm. Die verstorbene Person setzt unter der Erde den natürlichen Verwesungsprozess fort, der mit dem letzten Atemzug begonnen hat. In diesem Sinne ist die Erdbestattung die natürlichste und einfachste Form der Bestattung.

Ablauf einer Erdbestattung

Der Sarg mit der verstorbenen Person wird üblicherweise beim Bestatter so lange gekühlt, bis er zur Trauerfeier auf den Friedhof gebracht wird. In manchen Regionen Deutschlands ist es jedoch auch üblich, den Sarg bereits vor der Trauerfeier auf den Friedhof zu bringen und dort in einem Abschiednahmeraum Angehörigen zugänglich zu machen.

Auf manchen Friedhöfen ist es üblich vor der Trauerfeier in einem separaten Raum eine kurze Abschiednahme am geöffneten Sarg abzuhalten. Auf anderen Friedhöfen ist dies wiederum nicht erlaubt.

Der verschlossene Sarg wird also spätestens zur Trauerfeier in die Friedhofskapelle gebracht und dort geschmückt. Wer sich für einen wunderschönen Sarg entschieden hat, kann auf ein üppiges Blumengesteck auf dem Deckel verzichten, so dass der Sarg selber bessen zur Entfaltung kommt. Bei der Wahl auf einen einfachen Sarg empfiehlt sich ein großes Blumengesteck.

Üblicherweise dauert die Trauerfeier eine knappe halbe Stunde. Bei der inhaltlichen Gestaltung der Trauerfeier sind sie frei.

Zum Ende der Trauerfeier kommen die Sargträger herein und tragen den Sarg bis zu einem Bahrwagen. Auf dem Bahrwagen wird der Sarg zur Grabstelle transportiert. Die Trauergäste folgen in einer Prozession.

Sind alle Trauergäste an der Grabstelle angekommen, senken die Sargträger den Sarg in die Gruft. Das Blumengesteck kann auf dem Sargdeckel verbleiben und mit der verstorbenen Person beerdigt werden. Man kann das Gesteck aber auch vor der Senkung abnehmen und es nach der Beerdigung auf dem Grabhügel legen.

Nachdem der Sarg gesenkt wurde, treten die Sargträger zur Seite. Jetzt gibt es noch einmal einen Moment, in dem ein Pfarrer oder Redner ein Gebet oder Gedicht sprechen kann. Im Anschluss haben die Trauergäste, meist beginnend mit den nächsten Angehörigen, die Möglichkeit Sand, Erde oder Blumen nachzuwerfen. Auch ein Brief an die verstorbene Person, oder andere Andenken, können mit ins Grab gegeben werden, solange sie sich innerhalb einiger Jahre zersetzen.

Nachdem die Trauergäste die Grabstelle verlassen haben, wird die Grabstelle von Friedhofsmitarbeitern verschlossen und Blumen sowie Kränze auf den Grabhügel gelegt. Danach dürfen die Angehörigen Kerzen anzünden und das Gesteck anordnen, wie es ihnen am liebsten ist.

Grabarten

Särge können in Deutschland nur auf dem Friedhof beigesetzt werden. Auf Friedhöfen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Grabstellen - verlängerbare (Wahlgrab) und nicht verlängerbare (Reihengrab). Für alle Gräber gilt eine Mindestruhedauer von 15 bzw. 20 Jahren, abhängig von Friedhof und Bundesland. Nach Ablauf dieser Zeit können Reihengräber vom Friedhof wieder neu belegt oder eingeebnet werden. Hat man ein Wahlgrab verlängert, kann man selbst entscheiden, ob und wer dort in der Zukunft beigesetzt wird.

Wahlgrab

Bei einem Wahlgrab entscheidet man selbst über die Lage des Grabes. Sie können sich also für die Grabstelle entscheiden, die Ihnen am besten gefällt. Von einem Familien- oder Gemeinschaftsgrab ist dann die Rede, wenn Sie sich für zwei oder mehrere Grabstellen nebeneinander entscheiden. Üblicherweise können in einem Wahlgrab neben einem Sarg auch zwei Urnen beigesetzt werden. Dies ist jedoch von Friedhof zu Friedhof unterschiedlich. Auch bei einem Wahlgrab ist Pflege ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Man kann die Pflege selbst übernehmen oder eine Gärtnerei damit beauftragen. Als Alternative bieten Friedhöfe pflegefreie Wahlgrabstellen an. Das können je nach Friedhof naturnahe Grabstellen sein, wo die Natur die Begrünung selbst übernimmt, oder Grabstellen, die vom Friedhof gepflegt werden.

Reihengrab

Reihengräber werden der Reihe nach vergeben. Das bedeutet, dass man die Lage des Grabes selbst nicht bestimmen kann. Es gibt Reihengräber, die von den Angehörigen gepflegt werden. Friedhöfe bieten aber auch Reihengräber an, die entweder vom Friedhof gepflegt werden, oder die nur mit Rasen bedeckt sind.

Kosten einer Erdbestattung

Die Kosten für eine Erdbestattung können regional sehr unterschiedlich sein und setzen sich wie folgt zusammen:

  • Bestatterleistungen
  • Sarg mit 6 Griffen
  • Trauerfeier (optional)
  • 6 Sargträger
  • Grabstelle auf einem Friedhof
  • Grabpflege (optional)
  • Grabstein (optional)

Die Gesamtkosten einer Erdbestattung übersteigen häufig die Gesamtkosten anderer Bestattungsarten. Das liegt unter anderem daran, dass in einigen Regionen die Nutzungsgebühren für Erdgrabstellen sehr hoch sind.

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Vorteile einer Erdbestattung

  • Der direkteste Weg zu einer Bestattung - insbesondere in ländlichen Gebieten, wo das nächste Krematorium weiter weg ist.
  • Die umweltschonendste Bestattungsart.
  • Unterstützt den Erhalt von Friedhöfen und damit, besonders in großen Städten, einen Ruheort für Menschen und eine Vielzahl an Tieren, insbesondere Vögel.
  • Die Erdbestattung ist auch für Kinder gut verständlich.
  • Diejenigen, die gerne gärtnern, können persönliche Grabgestaltungen kreieren.
  • Eine Trauerfeier mit Sarg wird meist als weniger abstrakt empfunden, als eine Trauerfeier mit Urne.
  • Keine zusätzlichen Kosten für die Einäscherung.

Nachteile einer Erdbestattung

  • Erdbestattungen sind in Deutschland nur auf Friedhöfen erlaubt.
  • Die Kosten für den Sarg sind etwas höher.
  • Die Grabstelle ist größer und bedarf ggf. gärtnerischer Pflege.
  • Es werden Sargträger benötigt, wodurch die Beisetzung teurer wird.
  • Die Gebühren für die Grabstelle sind auf einigen Friedhöfen höher.

Historie von Erdbestattungen

Die Erdbestattung war bis vor 100 Jahren die einzige Bestattungsart in Deutschland. Sie war jahrhundertelang alternativlos, da sie im christlichen Glauben die Voraussetzung für eine Auferstehung war. Die evangelische Kirche hat sich bereits Mitte des 20. Jahrhunderts der Feuerbestattung geöffnet. Die katholische Kirche empfiehlt bis heute die Erdbestattung, aber erlaubt ihren Mitgliedern seit 1963 die Feuerbestattung und die Beisetzung von Urnen auf ihren Friedhöfen.

Mittlerweile werden in Deutschland nur noch gut ein Drittel der verstorbenen Personen im Sarg beigesetzt. Die Mehrheit entscheidet sich für eine Einäscherung und anschließende Urnenbeisetzung auf dem Friedhof, im Wald oder auf See.