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Melchior Schramm
Editor

"Mama, wie passt Oma in die Urne?" - Ein Ausstellungsbericht.

Im FEZ-Berlin, Europas größtem gemeinnützigen Kinder-, Jugend- und Familienzentrum läuft derzeit im Kindermuseum “Alice” die Ausstellung “Erzähl mir was vom Tod”. Sie lädt alle Lebenden ein, behutsam und ohne Scheu einen Schritt auf die “Andere Seite” zu wagen. Dabei werden den Besuchern die vielseitigen Formen von Ritualen, Ängsten und Hoffnungen um das Thema Tod nähergebracht. Wir haben die Ausstellung besucht.

Titelbild - Erzähl mir was vom Tode - Kindermuseum Alice Im Labor der Unsterblichkeit

Früher oder später stellt der Nachwuchs unweigerlich die Frage, was der Tod bedeutet. Doch wie bringt man kleinen Kindern so ein substantielles und schwieriges Thema bei? Die Ausstellung “Erzähl mir was vom Tod” hat sich dieser Aufgabe angenommen. Im Kindermuseum Alice begeben sich Kinder und ihre Eltern gemeinsam auf eine fiktive Reise ins Jenseits - aufbereitet in zwölf liebevoll gestalteten Räumen, die jeweils andere Aspekte des Todes thematisieren.

Zu Beginn können die Besucher bei einer kurzen Einführung teilnehmen, bei der die jungen Gäste in einem Stuhlkreis die Möglichkeit haben, ihre eigenen Ideen zum Tod zu erzählen und Fragen zu stellen. Anschließend wird die Ausstellung kurz erklärt und die Bürokratie abgehandelt:

Auch eine Reise ins Jenseits kommt ohne Dokumente nicht aus. Alle Teilnehmer erhalten ihren persönlichen Reisepass, welcher als interaktiver Wegweiser für die Ausstellung dient. Das kleine Heft enthält zudem für jeden Raum eine Seite, auf welchen man Fragen zu den verschiedenen Gebieten beantworten kann (mit heimlicher Unterstützung der Eltern).

Reisepass für das Jenseits - Im Kindermuseaum Alice Der Reisepass für das Jenseits

Die Ausstellung ist in zwölf Räume aufgeteilt die man in beliebiger Reihenfolge durchschreiten kann. Die Räume sind mit viel Mühe und einem Auge fürs Details gestaltet und beleuchten jeweils einen anderen Aspekt des Todes.

Im Labor der Unsterblichkeit beispielsweise, wird die Frage gestellt, was Unsterblichkeit eigentlich bedeutet: Ist es zwingend notwendig, unendlich zu leben, oder ist man nicht in den Köpfen und Herzen der Hinterbliebenen verewigt, einfach dadurch, dass sie sich an einen erinnern?

Um diese Idee zu verdeutlichen, hängen in dem Raum Portraits von berühmten Persönlichkeiten, die auch heute noch bei jedem präsent sind, obwohl sie schon lange gestorben sind - dazwischen gibt es leere Rahmen, in welche die kleinen Besucher Personen malen können, die für sie unsterblich sind. Hier zeigt sich unter anderem das interaktive Element der Ausstellung - die Besucher sind immer wieder dazu angehalten, das Gelernte zu reflektieren und ihre eigenen Erfahrungen und Ideen einzubringen.

Ranim (Labor der Unsterblichkeit) Ranim ist unsterblich

Und was ist mit Besuchern, die nicht nur als Idee weiterleben möchten, sondern wirklich für immer? Die haben die Möglichkeit im kleinen Labor einen Unsterblichkeitstrank zu mixen. (Wasser, Thymian, Zitrone und Traubenzucker - Wer hätte gedacht, dass es so einfach ist?) Im Reisepass kann man ankreuzen, wie man sich fühlt, nachdem die Mixtur getrunken wurde.

Beim mixen eines Unsterblichkeitstranks Genau nach Rezept

In einem anderen Raum geht es um Abschied und alles, was in unserer Kultur dazu gehört. Dafür wird ein leicht geöffneter Sarg mit Kerzendekoration inszeniert, eine Momentaufnahme einer typischen Trauerfeier. Auf der anderen Seite befindet sich eine Urnenwand, in der verschiedene Modelle aufgereiht sind. Kinder kommen hier in einer unbefangene Atmosphäre mit Objekten in Berührung, die sie üblicherweise nur in belasteten Situationen sehen. Der Umgang der Kinder damit ist bemerkenswert - sie stellen ihren Eltern ganz unverblümt Fragen wie “Mama, wie passt Oma in die Urne?”. Solche Fragen sind sicher fordernd für Eltern, doch sind es auch wichtige Impulse, die einen Dialog über das Sterben anregen.

Opa im mein Herz

Das Erschaffen solcher Impulsen zieht sich durch die ganze Ausstellung: Im Paradiesgarten werden die kleinen Besucher dazu angeregt, ihre Idee vom "Danach” aufzuschreiben und im Raum aufzuhängen. Wieder in einem anderen Raum können sie inmitten von tausenden Traueranzeigen an leeren Stellen noch einmal verstorbenen Familienmitgliedern gedenken.

Engel Die einen so...

Lieblingstier ... die anderen so.

Ingesamt ist die Austellung ein bewegender Ort, welcher die einzigartige Möglichkeit bietet, sich anhand echter Artefakte und Eindrücke dem Thema Tod und Trauer zu nähern. Immer wieder regt sie Eltern dazu an, sich gemeinsam mit dem Nachwuchs damit auseinanderzusetzen und stößt so einen gesunden und wichtigen Dialog an. Dieser hilft beiden Seiten, das Sterben als Notwendigkeit besser zu verorten und einen Eindruck von der Bedeutung des Todes in unserer Kultur (und Anderen) zu bekommen.

Wer nun fürchtet, einen schweren und ernsthaften Termin vor sich zu haben, sei unbesorgt: Die Ausstellung bietet auch viele Momente zum Lachen und zum Schmunzeln, wie beispielsweise im Raum “Spiele und der Tod”, wo diverse Spiele bereitstehen die den Tod beinhalten oder thematisieren. Nicht zuletzt auch Videospiele, wo Leben (Herzen) und Sterben (Game over) schon immer ein zentrales Element waren.

Mit all ihren vielfältigen Elementen bekommt die Ausstellung eine gesunde Mischung aus Ernsthaftigkeit, Gedankenanregung und Vergnügen und eignet sich wunderbar für einen Familienausflug an einem Samstag Nachmittag. Und wer danach genug vom Tod hat, geht einfach vor die Tür: Dort warten 13.000qm Spielspass im FEZ-Berlin, auf denen es lebendiger nicht zugehen könnte.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Juli 2018

Adresse: ALICE - Museum für Kinder im FEZ-Berlin, Straße zum FEZ 2, 12459 Berlin

Öffnungszeiten: Sa und So: 12-18 Uhr, Mo-Fr 10-18 Uhr

Eintritt: 4 Euro pro Person

Link: "Erzähl mir was vom Tod" - Kindermuseum Alice

Über Funeria:

Wir von Funeria verbinden die Qualität und Pietät traditioneller Bestatter mit der Transparenz und Kundenfreundlichkeit der heutigen Zeit. Der Tod ist Teil des Lebens - holen wir ihn aus dem Dunkeln!

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